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Produzent
NEUE OPER WIEN

Musik
Dieter Kaufmann

Text
Josef Winkler

Musikalische Leitung
Walter Kobéra

Regie und Bühnenbild
Alexander Kubelka

Choreographie
Bert Gstettner

Kostüme
Devi Saha

Licht
Norbert Chmel

Dramaturgie
Alexandra Noël

Orchester
amadeus ensemble-wien

Mitwirkende
Elena Denisova (Solovioline), Jowita Sip (Sopran), Gunda König (Sprecherin), Manuel Rubey (Sprecher)
Tanz*Hotel - Peter Beil, Udo Kawasser, Julio Lepe, Ina Rager (Tänzer)

Vokalensemble
Agnes Scheibelreiter, Tamara Gallo, Elena Suvorova, Elisabeth Lang, Roman Payer, Gernot Heinrich, Thomas Weinhappel, Michael Schwendinger

Einstudierung
Michael Grohotolsky

Premiere & Uraufführung
28.03.2006, 19:30

Termine
01. & 02.04.2006, 19:30 (Die Vorstellung am 03.04. wurde abgesagt)

Ort
Halle E im MuseumsQuartier,
Museumsplatz 1, 1070 Wien
www.halleneg.at

Tickets & Info
Neue Oper Wien
Tel. +43-1-218 25 67
www.neueoperwien.at

Wien Ticket,
Tel. +43-1-588 85
www.wien-ticket.at

Web
www.neueoperwien.at

Informationen zum MuseumsQuartier Wien auf
www.mqw.at

Requiem für Piccoletto


Auftragswerk

Aus großer Entfernung betrachtet, wirkt die Erde wie ein Globus, ihre Oberfläche wie eine Landkarte. Kommen wir näher, taucht das Leben auf, die Stadt, der Markt, der Petersplatz: Rom. Mitten drin steht Piccoletto, der halbwüchsige Markthelfer, umgeben von all der toten Natur, die da zum Verkauf angeboten wird: Natura morta, geschlachtete und ausgerissene Natur, in ihrer auf alle Sinne wirkenden Buntheit.


Josef Winkler entwirft in Natura Morta mit einer Flut von Bildern und Handlungen ein kolossales „Wort-Gemälde", ein authentisches Abbild der menschlichen Existenz. Wie durch das Objektiv einer Kamera betrachtet, erzählt er vom multilateralen und ambivalenten Treiben auf Roms Straßen und schafft damit auch die Basis für einen Opernabend, der sich den seelischen Höhen und Tiefen wie den Abgründen der menschlichen Existenz verpflichtet fühlt. Winklers „Textmaschine" saugt unentwegt Beobachtungen auf, fixiert sie in vielfältigen, vor Sinnlichkeit strotzenden Sätzen und modelliert „das Leben selbst" aus Sprache. Er beschreibt die menschliche Natur zart und sensibel wie auch in grausigen Übersteigerungen, überladen wie ein barockes Stillleben.


Der Held dieser Oper ist nicht das junge frühvollendete Genie, nicht der alte Mann, der die Schlüssel dieser Stadt endlich aus der Hand gibt, es ist der junge Unbekannte, dem hier ein Denkmal gesetzt wird. Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung und macht den Unbedeutenden zum Unvollendeten, das Subjekt der Begierde zum Objekt des Mitleids. Er selbst wird „natura morta".


Die Oper Requiem für Piccoletto von Dieter Kaufmann, der den Originaltext von Winkler zur Grundlage seiner Komposition gemacht hat, ist ein Versuch, den „Ist-Zustand" einer Gesellschaft und die Reaktionen des Individuums auf diesen Zustand abzubilden.

Eine Wanderung durch Fischgedärm, Blut, Abwaschwasser, Rinderhirn, Fleischerhaken, Schmutz und Abfall führt uns zu Menschen der sozialen Peripherie. Natura Morta hat jedoch keine kontinuierliche Handlungsebene. Einzig Piccoletto, dem Sohn der Feigenverkäuferin, der in Winklers Text nach zwei Dritteln von einem Feuerwehrwagen überfahren wird, merkt man aufgrund der Häufigkeit seines Auftretens an, dass seine Figur zwischen allen anderen eine besondere ist.


Die Oper nähert sich der Römischen Novelle Josef Winklers, - von der Marcel Reich-Ranicki begeistert sagte, sie sei „eine große poetische Etüde über die Vergänglichkeit des Daseins, ein sehr sinnliches Buch" - wie mit einem Fernrohr aus dem Weltall. Aber Winklers Opern-Text geht über die Römische Novelle hinaus. In einer sechsteiligen Anrufung des „Heiligen Vaters" setzt er kritische Bezüge zur aktuellen Rolle der Kirche fort, die bereits im Gloria des zweiten Teils der Komposition angeklungen waren, und in einem Epilog rechnet der tote Piccoletto sozusagen vom Himmel herab mit der Vergangenheit seiner Eltern ab. Hier wie dort geht es um die Fragwürdigkeit von Hierarchien. Auch in der mit Sprechern, neun Vokalisten, 18 Instrumentalisten, Tänzern, Filmen und Elektronik besetzten Musik liegen Trauer und Aufbegehren, Sinn und Sinnlichkeit im Wechselspiel.

In der Inszenierung von Alexander Kubelka „erscheint" der tote Piccoletto schon am Beginn der Oper einem blinden Mädchen in ihrem Wohnzimmer. Die von Kubelka frei erfundene Rahmenhandlung lässt eine „Beziehung" zwischen dem blinden Mädchen und dem Erzähler Piccoletto entstehen. Die Erzählungen Piccolettos lösen in dem Mädchen Phantasien aus, die in ihrem Wohnzimmer „Realität" werden. Kubelka stellt Gier, Wollust, Schrecken und den Vatikan einer imaginären und phantastischen Liebesgeschichte zwischen dem zutiefst gläubigen Mädchen und dem zärtlich-lustvollen Piccoletto gegenüber. Es entsteht ein umfassender Spannungs- und Bilderbogen aus traumartiger Vielgestaltigkeit und realistischer Reduktion. Ein Opernabend voll Lebenslust und Todesnähe.

Ein Auftragswerk von WIENER MOZARTJAHR 2006 als Koproduktion der Neuen Oper Wien mit WIENER MOZARTJAHR 2006

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