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Don Juan wird sechzig


Auftragswerk

Don Juan hat viele Gesichter. Der aus Antwerpen stammende österreichische Komponist Dirk D’Ase und der Wiener Dichter Robert Schindel haben sich in dem Auftragswerk Don Juan wird sechzig vorgenommen, diese zu ergründen. Die Kombination aus Schindels kreativ poetischer Sprache und D’Ases höchst emotionaler und klangfarbenreicher Musik verspricht einen spannenden Opernabend. Für seine bereits sechste abendfüllende Oper fand Dirk D’Ase in Robert Schindel einen kongenialen Librettisten, der auf brillante Art und Weise in seinem ersten Opernlibretto einen Don Juan der Jetztzeit schuf.

Joschi Herzog, ein reicher Erbe, fällt angesichts seines bevorstehenden 60. Geburtstages in eine tiefe Melancholie. Die vielen Frauen, die er geliebt hat, sind wie verschwunden. Sein Freund Konstantin macht ihm den Vorschlag, die drei wichtigsten seiner Frauen nochmals zu verführen. Bei welcher der drei ihm das am besten gelingt, mit der solle er alt werden in Ruhe und Frieden.

Die erste, die Herzog auswählt, ist Juli. In Paris zur Zeit des Existentialismus treffen sie auf Jean-Paul Sartre und die Beauvoir. Auch mit Katharina und Deborah unternimmt er Reisen zu Zeitpunkten, die später als historisch gelten. Nach diesen Zeitreisen sitzt Herzog wieder in seinem Ohrensessel und verflucht sein Leben. Da läutet es, eine wunderbare Frau erscheint. Sie, Maja, ist die vollendete Komposition aus Juli, Katharina und Deborah. Sie sinken einander überglücklich in die Arme. Die Geburtstagsgäste treffen ein und finden ihn tot mit dem Champagnerglas in der Hand.
Don Juan wird sechzig ist die Geschichte eines Mannes, der nicht zu altern versteht. Es ist ein Meisterstück des Teufels, dass ausgerechnet der Mensch, der bei entscheidenden Paradigmenwechseln des 20. Jahrhunderts persönlich dabei war, sich selbst und seine Zeit nicht zu lesen versteht. Liegt es am reichen Erbe oder an der Unauslotbarkeit des Don-Juanesken Charakters?

„Alles, was ich mache, suche ich im und aus dem Leben", formuliert Dirk D’Ase eine Art künstlerisches Credo. Dieses ist nicht nur in den vitalen Zügen seiner Instrumentalmusik existent, sondern auch in den menschlich-zwischenmenschlichen Konflikten, mit denen sich D’Ase in seinen Opern auseinander setzt. Die Welt, die Menschen, das Leben, alles basiert für ihn auf Emotionen, denen man sich stellen muss. Ihn interessiert die direkte und unmittelbare Kommunikation: den Bauch zu treffen und im Bauch getroffen zu werden.

Dirk D’Ase setzt sich in seiner Musik zentral mit den besonderen Eigenschaften und Klangfarben der Instrumente und der menschlichen Stimme auseinander. Er entwickelt geschmeidige charakterisierende Gesangs- und Instrumentallinien, die freitonal große Intervallsprünge mit Tonrepetitionen sinnfällig und eingängig verbinden. D’Ase hat sich eine eigene rhythmische Technik erworben, die zu einem Merkmal seiner Kompositionen geworden ist. Sie basiert auf dem Grundprinzip afrikanischer traditioneller Musik, die Anregungen holte er sich dafür bei Feldforschungen auf ausgedehnten Afrikareisen. Konzerte mit schwarzafrikanischen Musikern, ob bei traditioneller oder Township Music, boten D’Ase erstklassigen Anschauungsunterricht spontan-unmittelbaren und begeistert-begeisternden Musizierens. Technisch gesehen sind es vor allem die verschraubten Strukturen so genannter inhärenter Pattern, welche er in seine Kompositionen einfließen lässt, komplexe Rhythmen, die als solche nicht gespielte, aber wahrnehmbare virtuelle Linien hörbar werden lassen. Diese Technik verwendet D’Ase auch in der Klanggestaltung, indem er individuelle Melodien zu einer neuen virtuellen Klanglichkeit zusammenwachsen lässt. D’Ase arbeitet häufig mit kleinen Notenwerten, macht die Musik dadurch aufgeladener und dichter, setzt dies aber immer wieder in Kontrast zu langsamen Kantilenen. Geschwindigkeit und Dichte, gepaart mit großen auf der Dramaturgie des Stoffes basierenden Spannungsbögen, können als Leitsätze über D’Ases Musikschaffen stehen.

Ein Auftragswerk von WIENER MOZARTJAHR 2006

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