Home | Text only | English Version | ImpressumWiener Mozartjahr 2006
 
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Durchführung
Jüdisches Museum Wien in Zusammenarbeit mit dem
Da Ponte Institut Wien

Kuratoren, Beteiligte Kuratoren
Werner Hanak, Reinhard Eisendle, Herbert Lachmayer

Wissenschaftliche Mitarbeit
Wiebke Krohn, Eric Levy, Michael Haas

Ausstellungsgestaltung
Christian Prasser,
cp-architektur

Eröffnung
21.03.2006

Dauer
22.03. - 17.09.2006

Öffnungszeiten
Täglich 10:00 - 18:00,
Do 10:00 - 20:00

Ort
Jüdisches Museum Wien, Dorotheerg. 11, 1010 Wien

Publikation
Begleitbuch von Hatje Cantz Verlag

Web
www.jmw.at

Lorenzo Da Ponte - Aufbruch in die neue Welt


Il poeta di Mozart

Das Jüdische Museum Wien präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Da Ponte Institut im WIENER MOZARTJAHR 2006 eine umfassende Ausstellung zu Lorenzo Da Ponte, dem bekannten Mozart-Librettisten jüdischer Herkunft. Da Pontes bewegtes Leben zwischen Venedig und Wien, London und New York, seine Kunst und deren Rezeptionsgeschichte sind die zentralen Themen der Schau.

Il poeta di Mozart
Lorenzo Da Ponte hat gemeinsam mit Mozart Musikgeschichte geschrieben. Das Licht, das auf die Opern Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte wie auf ihren Komponisten fällt, hat den Dichter und Menschen Lorenzo Da Ponte jedoch nur schwach beleuchtet. Erst langsam kehren Da Pontes Gesamtwerk und seine unglaubliche Lebensgeschichte zwischen Venedig, Wien, London und New York ins kulturelle Bewusstsein zurück.

Lorenzo Da Ponte kommt 1749 im Ghetto der norditalienischen Stadt Ceneda als Emanuele Conegliano zur Welt. In seinem 14. Lebensjahr tritt er mit Vater und Brüdern zum Christentum über, gut zehn Jahre später wird er zum Priester geweiht. Als er sich 1782 in Wien - einer Stadt im radikalen Aufbruch - niederlässt, hat er die kirchliche Karriere längst hinter sich gelassen, ist Poet und Lebemann geworden.

Sich ein Bild von Da Ponte machen zu können, ist ein Ziel dieser Ausstellung. Sie beginnt und endet in New York - jener Neuen Welt, in der Lorenzo Da Ponte die letzten 33 Jahre seines Lebens verbracht hat. Hier in Amerika gelingt es ihm, sich trotz widriger Umstände auf seine genuinen Fähigkeiten zu konzentrieren: Er engagiert sich für Literatur und Oper, wird somit zu einem Pionier der italienischen Kultur in New York. Gegen Ende seines Lebens bringt er seine berühmten Memoiren zu Papier, die als einzigartiges „kulturelles Gedächtnis“ einen weiten Bogen spannen zwischen den absolutistischen Höfen Europas und einer prosperierenden Gesellschaft im Lande der „declaration of rights“.

Einer Rückblende ähnlich reisen wir gemeinsam mit Da Ponte aus New York in seine Kindheit und ins Ghetto von Ceneda, lernen seine Synagoge kennen und begegnen dort auch dem Bischof Lorenzo Da Ponte, der ihm als Taufpate und Förderer seinen Namen schenkt. Wir folgen ihm nach Venedig, das der junge Abbé - anonym denunziert - wegen seines angeblich schlechten Lebenswandels verlassen muss. Einer Verurteilung entzieht sich Da Ponte durch Flucht nach Görz und begibt sich nach kurzem Aufenthalt in Dresden ins Josephinische Wien - für viele aufgeklärte Intellektuelle damals eine „Stadt der Toleranz“. Der Kaiser ernennt ihn trotz seiner Unerfahrenheit als Librettist zum Dichter der Hoftheater - an die 18 Libretti wird er hier schreiben, darunter auch jene drei für Mozart. Unter Leopold II., Josephs Bruder und Nachfolger, wird Da Ponte von vielen Seiten durch Intrigen angefeindet und schließlich gezwungen, Wien zu verlassen. Geradezu exemplarisch verkörpert Lorenzo Da Ponte den bürgerlich individualistischen Künstler, der mit scharfer Feder und Zunge seine Grenzen in der Adelswelt auslotet, dabei selbst taumelt und mitunter auch fällt, aber niemals aufgibt.

Mozart taucht auf, Da Ponte verschwindet.
Im europäischen 19. Jahrhundert gerät der in New York lebende Da Ponte in Vergessenheit. Mozart hingegen gewinnt enorm an Popularität und wird zu einem Icon mit vielen Gesichtern. Dieser Tendenz trägt die Ausstellung Rechnung: Auch viele jüdische Musiker und Musikwissenschafter in Wien und Mitteleuropa machen sich um 1900 ein Bild von Mozart, manch eines hat unser Mozartbild nachhaltig beeinflusst. So beschreibt der Literat Richard Beer-Hofmann das Mozartkind in der lichtdurchfluteten Stadt Salzburg, nahe den „Firnen norischer Berge“, der Dirigent Hermann Levi übersetzte mithilfe Cosima Wagner die Da Ponte-Mozart-Opern ins Deutsche, und der Musikwissenschafter Guido Adler vermittelt schon um 1900 einen Mozart für die Jugend.

Der „arisierte Da Ponte“ und die „Mozart-Diaspora“ ...
... sind als wildbewegte Rezeptionsgeschichte des Poeten und seines Komponisten Teil der Ausstellung: Zu den „deutschen“ Mozartfeiern 1941 wird Lorenzo Da Ponte retuschiert und bleibt im „Dritten Reich“ dennoch, dank seines italienischen Namens, präsent - vielleicht als einziger Librettist jüdischer Herkunft. Gleichzeitig tragen vertriebene Musiker aus Mitteleuropa ihr authentisches wie differenziertes Mozartbild in die Welt hinaus. Viele von ihnen, etwa Bruno Walter, zieht es nach New York - für die Emigranten eine „neue Stadt der Toleranz“.

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Wien in Zusammenarbeit mit dem Da Ponte Institut Wien im Rahmen von WIENER MOZARTJAHR 2006.

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