Idee & Konzeption Herbert Lachmayer
Veranstalter Da Ponte Institut für Librettologie, Don Juan Forschung und Sammlungsgeschichte
Kurator Herbert Lachmayer
Co-Kuratoren Rosemarie Burgstaller, Reinhard Eisendle, Maren Gröning
Architekten n-o-m-a-d / Vienna, Gunther Koppelhuber, Peter Müller, Kim Thornton
Künstlerische Installationen Klaus Pinter, Franz West und Werkstatt, Gelitin
Grafische Gestaltung Loys Egg, Kai Matthiesen (Assistenz)
Digitale Visualisierungen Christian Dögl, UMA (Information Technology AG); Michael Lisner / Martin Skladal, Virtual DynamiX - multimedia and architecture GmbH
Sound Systems Wolfgang Dorninger
Dauer 17.03. - 20.09.2006
Öffnungszeiten Täglich 10:00 - 18:00 (Mi 10:00 - 21:00)
Ort Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Ausstellungsvermittlung Terminreservierung und Führungsbuchung: Albertina Kunstvermittlung Tel.: +43-1-534 83-540 oder -541 E-mail: besucher@albertina.at
Publikationen Ausstellungskatalog, ca. 368 Seiten, 250 farbige Abbildungen ISBN 3-7757-1668-8 Essayband, ISBN 3-7757-1689-0
www.albertina.at
www.daponte.at |
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MOZART - Experiment Aufklärung
im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts Kulturgeschichtliches Panorama In der Zeit Josephs II. gilt Wien - Mittelpunkt des europäischen Musiklebens - als ein Zentrum der Aufklärung, die hier eine kurze, aber umso intensivere Blüte erlebt. Von sozialen Reformen schon unter Maria Theresia, der ersten Wiener Medizinischen Schule bis hin zu den Logen der Freimaurer entfaltet sich ein vielfältiges Geistes- und Gesellschaftsleben - in spielerischer Begeisterung fürs Experiment auch mit Lust und Moral. Dem Genius loci Wiens folgend entsteht eine brillante Mischung aus ambivalentem Witz, Esprit, bissiger Intrige, dem Hang zu ironischer Empfindsamkeit und nuancenreicher Melancholie - auch im Naturerleben. Als besonderes Schaustück wird die Rekonstruktion des freimaurerischen Gartens in Schönau, Niederösterreich, geboten, der den Weg durch eine komplette Parklandschaft mit allen architektonischen Symbolen zeigt (Tempel der Nacht, Felsengrotte, Gartentempel etc.). Die Inszenierung des höfischen Lebens in den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts findet in der Oper einen Brennpunkt politischer, psychologischer und moralischer Reflexion der höfischen, aber auch der bürgerlichen Gesellschaft. In rasanter Lebensgeschwindigkeit und enger europäischer Vernetzung von Diplomatie, Wissenschaft, Ökonomie, angewandter Mathematik und Kunst zeigt sich Wien - in all seinen Widersprüchen, Ambiguitäten und Paradoxien - von fortschrittlicher Gesinnung, Toleranz und generöser Weltoffenheit bis hin zu autoritärem Absolutismus. Selbst die beschleunigte Aufklärung kommt von oben. Dies provoziert in Kirche, Adel und Volk auch den sprichwörtlich beharrlichen Traditionalismus Wiens. Dennoch - war gerade dieser Konservativismus mitunter ein Nährboden für subversiven Freigeist, gewissermaßen produktiv gewendete Dekadenz, die auch gesellschaftliche Hierarchien individualistisch zu durchbrechen vermochte. Mozart - eine exemplarische Künstlerfigur Mit Wolfgang Amadeus Mozart im Mittelpunkt der Ausstellung erleben die BesucherInnen die Aktualität des ausgehenden 18. Jahrhunderts im europäischen Spannungsfeld zwischen Aufklärung, Rokoko als Stil und Lebensart, Klassizismus und einer beginnenden Romantik. Die Künstlerfigur Mozarts, seine soziale, kulturelle und künstlerische Umgebung werden anhand zahlreicher Autographe, bedeutender Kunstwerke sowie kulturhistorischer Exponate vielfältigst dargestellt - als inszenierter Wissensraum, auch unter Einsatz digitaler Medien. Mozarts Leben und Werk, seine Reisen, die europäischen Stationen seiner Karriere, das Thema Wunderkind und Mythenbildung werden gleichermaßen dargestellt wie die visionären Konzepte dieser Epoche der Supranationalität Europas - jener Auftakt zur Moderne, der als Début des Siècles begriffen werden kann. In den Zukunftspotentialen dieser Zeit entdecken wir die brisante Aktualität eines politischen wie kulturellen Zeitenbruchs, aus dem heraus wir auch unsere Welt und Gesellschaft in Europa heute besser verstehen können. Gestaltungsherausforderung Albertina - ein Palais aus der Mozartzeit Die Albertina - Museum mit einer der größten graphischen Sammlungen der Welt - mit ihren prachtvoll klassizistischen Prunkräumen, als historisches Objekt selbst Teil und Gegenstand der Ausstellung, ist für die zeitgemäße Umsetzung des kulturgeschichtlichen Ausstellungskonzepts auch eine gestalterische Herausforderung. Mit einer pneumatischen Installation La conquête de lair (Die Eroberung der Luft) von Klaus Pinter wird das Leit-Emblem der Ausstellung schon im Harriet Hartman Court zum Thema - Metapher für das Schwebende, das Visionäre, für Fortschritt der Technik und Naturbeherrschung, Konstruktion und Sturz, aber auch melancholisches Zitat des Entschwindens. Die großen Opern Mozarts Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte, die in kongenialer Produktions-Symbiose mit Lorenzo Da Ponte entstanden sind, werden in ihrer skandalisierenden Energie von Einst vergegenwärtigt, um die Relevanz und Aktualität dieser dramatisch/komödiantischen Gefühlskonstellationen der Geschlechter für uns Psychologisierungs-Routiniers heute in ihrer damals noch galanten Raffinesse erfahrbar zu machen. Die klassizistischen Stilvorgaben der Albertina, wie der Säulengang von Kornhäusel, werden als Kontrast für die Darstellung eines exzessiven Rokokos benutzt, um die unvergängliche Frische des Freigeistes Mozart im Spannungsfeld mit der komplexen Ästhetik dieses oft diskreditierten Rokoko-Stils zu zeigen und selbigen aufzuwerten. Auch die Wissenschaftsgeschichte dieser Zeit, die weltberühmte 1. Medizinische Schule in Wien, kommt dabei ebenso zur Geltung wie die große Bedeutung der Freimaurer-Logen für die Herausbildung eines entgrenzenden und produktiven Diskurses, der die hierarchischen Schranken zwischen Adel und Bürgertum konspirativ durchbricht. Die große Basteihalle als White Cube der Albertina vermittelt das politische, soziale und künstlerische Panorama eines kulturell ineinander vernetzten Europas, in welchem die Aufklärung als Experiment in den unterschiedlichen Ländern und Regionen zeitversetzt erblühte und auch politisch bis philosophisch explodierte. Dieses kulturell hoch differenzierte Europa war das Planungsareal des Vaters Leopold Mozart, in dem er mit seiner Konstruktion Wunderkind, Wolfgang Amadé, jene Karrierestrategie entfaltete, die beide an die großen Höfe des Absolutismus brachte, jedoch nicht zu dem vom Vater erhofften Ergebnis einer Festanstellung bei Hofe außerhalb Salzburgs führte. Mozarts lebenslängliche Obsession des Komponierens als Opern-Kreation neuer Individualismen, die es vorher in Gottes weiter Schöpfung nicht gegeben hat, soll den Besucher als buchstäblich unvergängliches Phänomen näher gebracht werden: Figuren wie Susanna, Gräfin Almaviva, Donna Anna, Donna Elvira und Don Giovanni, Zerlina, Despina und die anderen wirken auf uns heute mit unverbrauchter Verführungskraft und existieren in uns neu, in Allgegenwärtigkeit. Inszenierte Wissensräume - Knowledge on Stage Jede Vermittlungsstrategie kulturgeschichtlichen Wissens kann und soll auch Forschungsstrategie sein. Unsere technologisch avancierte Informationsgesellschaft erfordert neue kulturelle, wissenschaftliche und künstlerische Bildungssysteme, die als universalistische Orientierung unserer stets komplexer werdenden Gesellschaft und Welt innovativ entsprechen. Ausstellungen sind ein nicht nur digitales Medium, in welchem die Vorurteile wissenschaftlicher Erkenntnis gegenüber den künstlerisch gleichermaßen präzisen Erfahrungsweisen von Welt produktiv abgebaut werden könnten. Gerade im ausgehenden 18. Jahrhundert gab es vor aller Fachspezialisierung, welche die positivistische Wissenschaftsorganisation des 19. Jahrhunderts letztendlich einbetoniert hat, einen universalistischen Diskurs auch als gepflegte Konversationskultur in den Salons. Aus diesen, meist von Damen geführten Salons hat so manche exzeptionelle Entdeckung oder wirkungsgeschichtlich relevante Idee ihren Weg in die Hörsäle der Universitäten gefunden, oft mit beträchtlicher Verspätung. Mozarts unglaubliche Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung, durch die er auch die Bildung und die Gesellschaftssprachen seiner Zeit als kulturelles Gedächtnis in sein persönliches Erinnerungsvermögen aufgenommen hat, zeigt uns, dass auch Reisen Schule sein kann. Frappant war allerdings seine geniale Fähigkeit, diese Inhalte seiner sozialen, psychologischen und auch politischen Wahrnehmung in die präzis-klarsichtige Emotionswelt seiner Musik zu verwandeln. In dieser besteht bis auf den heutigen Tag immer noch die radikale Schärfe der Idee des modernen Individuums und die Unverzichtbarkeit seines Freiheitsanspruches. Dies vermögen wir beim Hören seiner Musik stets nachzuvollziehen, die uns zu visionärem Enthusiasmus verführt oder zu melancholischer Klarsicht leitet, in der wir zu so mannigfaltiger Inspiration fähig werden. Ergänzende Projekte: Neben der Ausstellung in der Albertina wirkt das Da Ponte Institut an zwei weiteren Ausstellungen mit, die sich direkt oder indirekt mit dem Thema Mozart auseinander setzen. Gemeinsam mit dem ZOOM Kindermuseum wird die Ausstellung Wolfgang Amadé - ein ganz normales Wunderkind (5. April bis 4. September 2006, ZOOM Kindermuseum, Kuratoren: Herbert Lachmayer, Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Katharina Oder) entwickelt. Mit dem Jüdischen Museum Wien wird eine Ausstellung über Mozarts Dichter Lorenzo Da Ponte mit dem Titel Lorenzo Da Ponte - Aufbruch in die Neue Welt (22. März bis 17. September 2006 im Jüdischen Museum Wien, Kuratoren: Werner Hanak, Reinhard Eisendle, Herbert Lachmayer) vorbereitet. Da Ponte Institut für Librettologie, Don Juan Forschung und Sammlungsgeschichte Anliegen des Da Ponte Instituts ist die intermediäre Wechselwirkung wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeit. Besonderes Augenmerk gilt der Konzeption und Durchführung von Ausstellungen als spezifischer Form der Inszenierung von Wissen. Neben Grundlagenforschung in den oben genannten Schwerpunktsbereichen ist das Institut mit verschiedenen Bildungseinrichtungen und Kunstinstitutionen im In- und Ausland vernetzt und erstellt zeitgemäße Konzepte zur Inszenierungsberatung.
Ein Projekt des Da Ponte Instituts in Kooperation mit Albertina und WIENER MOZARTJAHR 2006
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