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WIENER MOZARTJAHR 2006
Volkswirtschaftliche und touristische Aspekte
Franz Patay Geschäftsführer WIENER MOZARTJAHR 2006
Nach Albert Schweitzer ist Kultur materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach, einerseits Nahrung für die menschliche Seele,andererseits aber auch Dienstleistung. Diese Dualitätder Kultur ist nicht nur Gegenstand der kulturpolitischen Diskussion, sondern spiegelt sich auch in der täglichen Arbeit zwischen künstlerischem Intendanten und kaufmännischem Geschäftsführer wider. Es muss daher an dieser Stelle angemerkt werden, dass das Konzept und Programm von WIENER MOZARTJAHR 2006 nach rein künstlerischen Kriterien erdacht und geplant wurde. Wirtschaftliche Überlegungen, Quoten, Akzeptanz durch den Tourismus etc. hatten in der Vorbereitung des künstlerischenProgramms keinen Stellenwert. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist die ökonomische Bewertung von WIENER MOZARTJAHR 2006 äußerst positiv ausgefallen.
Die volkswirtschaftliche Bewertung von Kulturereignissen kann zwei Arten von Effekten umfassen:
-Tangible Effekte, das sind jene direkt mit der Erstellung der Kulturleistung zusammenhängenden und dadurch ausgelösten Wirkungen, die sich an messbaren Größen (Umsatz des Kultursektors, Zahlder Nächtigungen etc.) ablesen lassen.
-Intangible Effekte, das sind nicht direkt messbare, aber qualitativ der Kulturleistung zuordenbare Wirkungen (Image, Markenwert, kultureller Standortetc.).
Hier können wir auf eine eindrucksvolle Bilanz verweisen. Ungefähr 15.000 nationale und internationale Berichte in Printmedien haben einen Werbewert, der ein Vielfaches des Gesamtbudgets von WIENER MOZARTJAHR 2006 ausmacht. Dazu kommen noch nationale und internationale Radio- und TV-Sendungen,wobei alleine die Krönungsmesse am 27. Jänner 2006 von 36 TV-Anstalten weltweit übertragen wurde. Da diese imponierenden intangiblen Effekte quantitativ schwer zu bewerten sind, habe ich michin der Beurteilung der ökonomischen Effekte auf die tangiblen Effekte beschränkt.
Die tangiblen Effekte von WIENER MOZARTJAHR 2006:
Von den ca. 21 Millionen Euro Gesamtbudget (inkl. Sponsoreinnahmen) sind 16 Millionen für Kultur ausgegeben worden, davon 11 Millionen direkt für den Kultursektor, 5 Millionen wurden vom WIENER MOZARTJAHR 2006 direkt für eigene Projekte verwendet.Die restlichen 5 Millionen wurden für Marketingund PR-Maßnahmen ausgegeben.Mit den 11 Millionen Euro, die für Projektfinanzierungen der Wiener Kulturszene investiert wurden, konnte ein gesamtes Projektvolumen von 33 Millionen Euro induziert werden. Davon war auch ein kleinerer Teil Ausgaben für Marketing und PR. Durch die Hebelwirkung in der Projektfinanzierung wurde mit dem ursprünglichen Gesamtbudget von 21 Millionen ein wirtschaftlicher Impuls von insgesamt 43 Millionen Euro generiert.
Vorsichtige Schätzungen des durch das WIENER MOZARTJAHR 2006 ausgelösten Tourismuseffektes ergeben eine Anzahl zusätzlicher Nächtigungen von ca. 175.000, was bei durchschnittlichen Tagesausgaben von Wientouristen von 250,- Euro zusätzlicheTourismusumsätze von 44 Millionen Euro ausmacht. Aus der Berücksichtigung all dieser Ausgaben und deren tangiblen Effekte ergibt sich ein gesamtwirtschaftlicher Impuls von 87 Millionen Euro (zu Preisen 2006), der für die weitere Quantifizierung der volkswirtschaftlichen Effekte herangezogen wurde. Bezogen auf das Gesamtbudget von WIENER MOZARTJAHR 2006 entspricht der Impuls einer Förderquote von 1/4. Die Anstoßfinanzierung in der Kultur liegt somit unter jener von 1/3, die für die meisten anderenFörderprogramme (= Wohnbauförderung, Umweltförderung etc.) gilt. Mit dem direkten Impuls von 87 Millionen Euro wird in der Gesamtwirtschaft ein Produktionswert (zu Preisen 2000) von ca. 200 Millionen Euro generiert, was einem Multiplikatoreffekt von 2,3 entspricht. Generell bewirkte dieser Impuls die Förderung sehr arbeitsintensiver Dienstleistungssektoren, wodurch ein relativ hoher Beschäftigungseffekt eingetreten ist, der über den privaten Konsum zusätzliche Multiplikatoreffekteauslöst. Die ursprünglichen Ausgaben von 21 Millionen Euro (Gesamtbudget der Wiener Mozartjahr 2006 Organisationsges.m.b.H.) wurden somit durch eine Hebelwirkung bei den Kulturprojekten selbst, durch den Tourismuseffekt und durch die volkswirtschaftlichen Multiplikatoreffekte vervielfacht. Im Gesamteffekt dominieren die direkt betroffenen Wirtschaftszweige wie unternehmensbezogene Dienstleistungen (enthält Werbung und Marketing) und sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen (enthält den Kultursektor bzw. Kulturproduktion). Durch die Tourismuseffekte ist auch eine Reihe anderer Dienstleistungsbranchen überdurchschnittlich positiv betroffen, z. B. das Beherbergungs- und Gaststättenwesen. Der Beschäftigungseffekt ist aufgrund der überdurchschnittlich hohen Arbeitsintensität der Dienstleistungsbranchen entsprechend hoch und beträgt ca. 1.200 Personen. Die branchenmäßigen Schwerpunkte des Beschäftigungseffektes entsprechen den Effekten im Produktionswert. (= unternehmensbezogene Dienstleistungen und sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen, enthält den Kultursektorbzw. Kulturproduktion, sowie Beherbergungs- und Gaststättenwesen). Damit hat das WIENER MOZARTJAHR 2006 das BIP (Bruttoinlandsprodukt) um ca. 0,5 Promille erhöht. (= 0,05 %), im ca. gleichen Ausmaß (0,04 %) wurdeauch die Beschäftigung positiv beeinflusst. Auch die Betrachtung des steuerlichen Aspektes bilanziert positiv. Die vom WIENER MOZARTJAHR 2006 verursachte höhere wirtschaftliche Aktivität hat in gewissem Ausmaß auch zu zusätzlichenStaatsausgaben geführt, aber in noch höherem Ausmaß zu höheren Einnahmen. Die Ausgaben des Gesamtstaates (Bund, Länder und Gemeinden) erhöhten sich aufgrund von mit dem BIP steigenden Ausgaben (z. B. Sozialtransfers) um 37 Millionen Euro. Die Einnahmen fielen aufgrund des höheren BIP und der höheren Beschäftigung um 72 Millionen Euro höher aus, sodass sich für den gesamtstaatlichen Budgetsaldo ein Überschuss von 35 Millionen Euro ergibt. Wenn von diesem Betrag das aus Steuergeldern bereitgestellte Budget von WIENER MOZARTJAHR 2006 von ca. 20 Millionen Euro abgezogen wird, bleibt ein positiver Saldo an Steuereinnahmen von 15 Millionen Euro.
Abschließend ist also eindeutig anzumerken, dass das WIENER MOZARTJAHR 2006 unter rein ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet ein Erfolg fürdie Volkswirtschaft auf Landes- und Bundesebene war.
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